30 Jahre gelebte Verantwortung für unsere Heimat
Landschaftspflegeverband Neumarkt zieht bei Mitgliederversammlung im Velburger Wieserstadl Bilanz und blickt voraus
Bei seiner Mitgliederversammlung im Juli im Velburger Wieserstadl feierte der Landschaftspflegeverband Neumarkt i.d.OPf. e.V. ein besonderes Jubiläum: Seit 30 Jahren engagiert er sich für eine vielfältige Kulturlandschaft, artenreiche Lebensräume und eine starke Region. Rund 65 Gäste – darunter zahlreiche Bürgermeister der 19 Mitgliedskommunen sowie der stellvertretende Landrat und Bürgermeister von Parsberg, Josef Bauer – folgten der Einladung. Gemeinsam mit Geschäftsführer Werner Thumann führte er durch den Abend.
In einem emotionalen Rückblick erinnerte Geschäftsführer Werner Thumann an die Anfänge des Landschaftspflegeverbands im Jahr 1995 – eine Zeit, in der die Themen Biodiversität und Klimaschutz in der öffentlichen Wahrnehmung noch weit weniger präsent waren. „Wir waren Pioniere für den kooperativen Naturschutz“, so Thumann. Heute sei der Verband eine feste Institution im Landkreis, getragen von einem breiten Bündnis aus Kommunen, Landwirtschaft und Naturschutz – ganz im Sinne der Drittelparität, die die Arbeit der bayerischen Landschaftspflegeverbände auszeichnet.
Inhaltlich hat sich der Verband stetig weiterentwickelt. Die Aufgabenpalette reicht heute von klassischen Landschaftspflegemaßnahmen über Gewässerrenaturierungen, Beratung von Landwirten, Heckenpflege und Artenhilfsprojekten bis hin zur Umsetzung von Ausgleichsmaßnahmen, naturverträglichem Tourismus und nachhaltiger Regionalentwicklung. Ein besonderes Herzstück ist das 2007 eröffnete Umweltbildungs-und Regionalentwicklungszentrum HAUS AM HABSBERG, das vom Landschaftspflegeverband geleitet wird. Das HAUS AM HABSBERG ist staatlich anerkannte Umweltstation und Träger des Qualitätssiegels “Umweltbildung Bayern”.
Rekordjahr für die Landschaftspflege
„Das Jahr 2024 war ein Rekordjahr mit der höchsten Landschaftspflege-Umsetzung seit Bestehen des Verbandes“, betonte Agnes Hofmann, die stellvertretende Geschäftsführerin. Insgesamt wurden 162 Maßnahmen umgesetzt. Dabei lag der Fokus auf der Pflege artenreicher Magerrasen, der Mahd von Moor- und Feuchtflächen, der Renaturierung von Kleingewässern sowie der Neupflanzung von Streuobstbäume. Insgesamt flossen dafür über 786.000 Euro in die Umsetzung – mit einem beachtlichen Teil, der direkt an die Landschaftspflege-Landwirte ausbezahlt wurde. Die Landschaftspflegemaßnahmen werden gefördert im Rahmen der Landschaftspflege- und Naturpark-Richtlinie (LNPR) mit Mitteln des Freistaats Bayern. Der Fördersatz liegt zwischen 70 bis 90 %. Den Eigenanteil übernimmt der Landschaftspflegeverband.
„Wir erhalten nicht nur Lebensräume, sondern sichern auch Einkommen in der Region“, betonte Hofmann. Die Pflegearbeiten werden von Landwirten in Kooperation mit den Maschinenringen Neumarkt plus und Jura-Hemau durchgeführt. Der Verband betreut insgesamt mittlerweile über 450 Pflegeflächen mit einer Gesamtfläche von rund 1.235 Hektar, darunter 900 Hektar Magerrasen und 170 Hektar Feuchtbiotope – eine beachtliche ökologische Bilanz. Damit werden alle wesentlichen Flächen im Landkreis, die für den Erhalt der Artenvielfalt entscheidend sind und die unsere typische Landschaft ausmachen, erhalten und gepflegt. Viele der Maßnahmen sind in bedeutende Naturschutzprojekte wie die Umsetzungsprojekte „Tal der Weißen Laber“, „Tal der Schwarzen Laber“, „Netzwerk Sulztal“ oder „Biotopverbund Juradistl“ eingebunden.
Juradistl – Naturschutz, den man schmecken kann
Juradistl ist das größte Naturschutzprojekt der Oberpfalz, getragen von den vier Landschaftspflegeverbänden Amberg-Sulzbach, Neumarkt i.d.OPf., Regensburg und Schwandorf im Rahmen der Bayerischen Biodiversitätsstrategie. Gemeinsam mit Partnern aus Landwirtschaft, Gastronomie und Verarbeitung entstehen Produkte, die Lebensräume sichern – vom Juradistl-Lamm und Weiderind über Streuobstsäfte, Honig und Kartoffelknödel bis zu Gin. Eine Innovation sind die Juradistl-Schafwoll-Pellets: Aus 100 % regionaler Rohwolle hergestellt, dienen sie als ökologischer Langzeitdünger, der Nährstoffe langsam freisetzt, Wasser speichert und das Grundwasser schont.
Gewässerentwicklung – Vorzeigeprojekte umgesetzt
Seit 2002 setzt der Verband in enger Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt Bauprogramme zur Umsetzung der Gewässerentwicklungspläne um. Das Vorzeigeprojekt „Die Sulz lebt“ umfasst inzwischen fast zwölf Kilometer renaturierte Fließgewässer und wurde 2021 im Wettbewerb „Ausgezeichnete Bäche“ prämiert. Ein herausragendes Einzelprojekt ist die Renaturierung des Hengerbachs mit 1,3 Kilometern Länge und 14 Hektar Flächenumgriff. Und erst kürzlich verdeutlichte der Gewässernachbarschaftstag am 17. Juli 2025 in Berngau erneut, wie wichtig kommunaler Austausch in diesem Arbeitsfeld ist.
Seit 2013 setzt der Landschaftspflegeverband Neumarkt i.d.OPf. gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde das Ersatzgeld-Projekt um. Hintergrund sind Kompensationszahlungen von Betreibern von Windkraftanlagen für Eingriffe in Natur und Landschaft. Die Gelder, verwaltet vom Bayerischen Naturschutzfonds, werden gezielt für ökologische Aufwertungsmaßnahmen eingesetzt. Bisher konnten 43,12 Hektar ökologisch wertvolle Flächen angekauft und umfangreich aufgewertet werden – mit Investitionen von rund 1,1 Millionen Euro. Neben Flächenankäufen gehören Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen, Erfolgskontrollen und Öffentlichkeitsarbeit zu den Schwerpunkten. Das Projekt wurde im Frühjahr 2025 um drei Jahre bis Ende 2028 verlängert. Ziel bleibt es, wertvolle Lebensräume im Landkreis dauerhaft zu sichern und zu entwickeln.
HAUS AM HABSBERG, zentrale Umweltbildungsplattform seit 2007
Auf ein veranstaltungsintensives Jahr 2024 konnte auch das Umweltbildungs- und Regionalentwicklungszentrum Haus am Habsberg zurückblicken. Das Jahresprogramm 2024 verfolgte das Ziel, Menschen auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Lebensstil zu begleiten und ihnen niederschwellige, alltagsnahe Handlungsimpulse zu vermitteln. Neben den Veranstaltungsangeboten zu festen Termine gehörten insbesondere Bildungsangebote für Schulklassen zu den Schwerpunkten der Arbeit, mehr als 80 Schulveranstaltungen konnten 2024 durchgeführt werden. Ein Höhepunkt war dabei beispielsweise der Aktionstag Nachhaltigkeit für alle 5. Klassen des Ostendorfer Gymnasiums, der künftig fest im Schulkalender verankert ist und auch heuer bereits wieder stattfand.
Im Juni 2025 erhielt das Haus erneut die Bestätigung als staatlich anerkannte Umweltstation – ein Qualitätssiegel für seine Bildungsarbeit. Das Jahresprogramm steht heuer ganz im Zeichen des 30-jährigen Jubiläums des Landschaftspflegeverbands mit vielfältigen Aktionen, von Juradistl-Kochkursen bis zu Naturwanderungen. Der Programmhöhepunkt wurde bereits im Mai mit einer Jubiläumsbustour gefeiert. Rund 40 Gäste, darunter Landrat Willibald Gailler und mehrere Bürgermeister, besichtigten Projekte wie Streuobstwiesen in Pöfersdorf, Magerrasen an der Schwarzen Laber, das Deusmauer Moor und die Renaturierung des Hengerbachs. Neben fachlichen Einblicken bot die Tour Zeit für Austausch und einen Mittagsimbiss im HAUS AM HABSBERG. Sie verdeutlichte die vielfältige und nachhaltige Arbeit des Verbands für Natur- und Artenschutz im Landkreis.
Nachhaltige Regionalentwicklung – „Der Regionalpark blüht“
Im Rahmen des Tätigkeitsfelds Nachhaltige Regionalentwicklung wurden bei der Lenkungsgruppensitzung im Februar 2024 in Pilsach mit Neumarkt, Pilsach, Lauterhofen und Velburg, den vier Mitglieds-Kommunen im Regionalpark QuellenReich, wichtige Weichen für die weitere Entwicklung gestellt. Im vergangenen Jahr konnten zahlreiche Projekte erfolgreich umgesetzt werden – beispielsweise die vierte Ausgabe des Regionalpark-Magazins HIER, das Einblick in regionale Besonderheiten, Menschen und Landschaften bietet. Für 2025 steht der Regionalpark unter dem Motto „Der Regionalpark blüht“. Als bunte Blickfänge wurden farbig lackierte Zinkgießkannen in den Kommunen platziert, flankiert von einem abwechslungsreichen Veranstaltungsprogramm. Zehn eigene Veranstaltungen laden ein, Gartenkunst, nachhaltiges Gärtnern und naturnahe Erholung im Regionalpark QuellenReich zu entdecken – und die Vielfalt unserer Heimat mit allen Sinnen zu genießen.
Scheunen neu gedacht – EU-Projekt „BarnCulture“
Der Verband ist Projektpartner im EU-geförderten Kunst- und Architekturprojekt BarnCulture, das ungenutzte Scheunen zu Wohn-, Arbeits- oder Kulturräumen neu denkt. Für Neumarkt entstanden Konzepte für ein Mehrgenerationenwohnprojekt und ein Besucherzentrum mit Burgmuseum. Die Ergebnisse wurden 2025 im Haus am Habsberg vorgestellt und sind online sowie in gedruckter Form verfügbar: www.barnculture.eu/publications
Die Mitgliederversammlung klang aus mit einem gemütlichen Imbiss und bot Zeit für Gespräche und Austausch. Neben dem Jubiläum gab es einen weiteren Grund zum Feiern: Der Landschaftspflegeverband Neumarkt i.d.OPf. und die Neumarkter Lammsbräu wurden für ihren „NUN – Neumarkter Unternehmerstammtisch Nachhaltigkeit“ mit dem zweiten Preis des Deutschen Landschaftspflegepreises 2025 in der Kategorie Innovative Projekte ausgezeichnet. Der Deutsche Verband für Landschaftspflege würdigte damit das gemeinsame Engagement für Biodiversität und ökologische Verantwortung in der Wirtschaft.